Manchmal hat man keine Lust und auch keinen Bock. Wie die Karte zeigt, haben etwa gleich viele Menschen angegeben, keine Lust – mit den dialektalen Varianten Los(s), Lost, Luss usw. – oder keinen Bock bzw. keine Böcke zu haben. Lust ist hierbei das ältere Wort, daher tritt es auch je nach Dialekt in leicht veränderten Formen auf. Schon im Althochdeutschen und Altsächsischen sprach man von lust ‚Begierde‘. Die Phrase (keinen) Bock haben ist aus der Jugendsprache in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in die Alltagssprache übernommen worden. Sie hat allerdings mit dem männlichen Tier nichts zu tun, sondern geht auf rotwelsch Bock ‚Hunger‘ zurück. Wer keinen Bock hat, hat keinen inneren Antrieb. Die etwas seltenere Pluralform Böcke ist eine Variante davon.
Lusten (auf der Karte dunkelgrün) wird nur aus Ostwestfalen gemeldet. Es handelt sich hierbei um eine besondere regionale Akkusativmarkierung.Eine weitere umgangssprachliche Variante ist keinen Nerv haben.
Andere Angaben weichen von den häufigsten Nennungen stärker ab. In diesen Fällen zeigen sich die lokalen Dialekte. Am Niederrhein und in Recklinghausen haben einige Gewährspersonen keinen Sinn, etwas zu tun. Sinn bedeutet in den Dialekten des Niederrheins und zentralen Rheinlands unter anderem ‚Neigung‘ oder ‚Lust‘, übrigens wie im Niederländischen, wo man zin hat oder eben nicht.
Ausschließlich in Oberhausen wurde Schniff bzw. Schnüff genannt. In westfälischen Dialekten gibt es die Redewendung Schnüff häbben an, was ‚Lust zu etwas haben‘ bedeutet.
Aus Bad Münstereifel wird auch Trieb gemeldet. In den rheinischen Dialekten ist das Wort weit verbreitet, jedoch in regional unterschiedlichen Bedeutungen. Die Bedeutung ‚Lust, Neigung‘ ist vor allem in den südlichen Varietäten zu finden.
Aus Ruppichteroth kommt die Meldung Deu. In einigen rheinischen Dialekten bedeutet däuen ‚drücken, schieben‘. Im übertragenen Sinne kann auch ein innerer Antrieb gemeint sein.
Marsberg, eine Stadt im Sauerland, wartet mit der Variante Möge auf. Westfälische Dialekte kennen das Wort Mögge ‚Lust‘. Die Form, wie sie genannt wurde, ist näher an der Standardsprache und ist leichter an das Verb mögen anzuknüpfen.
Literatur:
Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Boston/Berlin 2011.
Siegmund A. Wolf: Deutsche Gaunersprache. Wörterbuch des Rotwelschen. Hamburg 1985.
Rheinisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, <https://www.woerterbuchnetz.de/RhWB>
Westfälisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, <https://www.woerterbuchnetz.de/WWB>