Sprachkarten

Die Karten bilden die Antworten pro Ort als Kreisdiagramm ab. Dadurch wird sichtbar, welche Antwort wir an einem Ort am häufigsten erhalten haben und andere Nennungen fallen nicht unter den Tisch. Manchmal beruhen diese Diagramme auf sehr vielen Antworten (v.a. in den städtischen Gebieten) und manchmal auch nur auf sehr wenigen oder nur einer Antwort. Falls dein Ort noch nicht dabei ist oder dein eigener Sprachgebrauch fehlt, beantworte gerne noch einige Fragen!

Straßenschuhe in der Wohnung sind für viele ein No-Go. Die Lösung liegt auf der Hand: Hausschuhe. Doch wie werden die flauschigen Alltagsbegleiter in NRW eigentlich genannt?

Die dazugehörige Frage in der PALAVA-App lautete: „Wie nennst du diese Fußbekleidung, die man zuhause trägt?“. Dazu wurde ein Foto von weichen Hausschuhen gezeigt, die hinten offen sind. Dabei kann das Foto durchaus einen Einfluss auf die Antworten gehabt haben. Denn, wie einige Gewährspersonen mitteilten und auch andere Erhebungen nahelegen, macht es durchaus einen Unterschied für die Benennung, aus welchem Material und in welcher Form die Schuhe sind.

Die sieben häufigsten Nennungen (Pantoffeln, Puschen, Schlappen, Schluffen, Schluppen, Hausschuhe, Latschen) werden im Folgenden vorgestellt:

Mit Abstand am häufigsten wurde die Bezeichnung Pantoffeln genannt (873-mal). Dazu zählen aber auch Varianten wie Bantoffel(n), Pantuffele oder Pantöffelkes. Auch die Aussprache kann variieren. So betonten einige Gewährspersonen das Wort auf der ersten Silbe (Pántoffel(n)), statt es wie die Mehrheit auf der zweiten Silbe zu betonen. Der Ausdruck Pantoffeln wird nahezu flächendeckend im ganzen Bundesland verwendet. Er wurde vermutlich im 15. Jahrhundert von dem französischen Wort pantoufle oder dem italienischen pantofola entlehnt. Die genaue Herkunft und ursprüngliche Bedeutung sind jedoch unsicher.

Ein ebenfalls sehr beliebter Ausdruck ist Puschen (534 Nennungen). Dieser existiert sowohl mit kurzem, als auch mit lang ausgesprochenem u. Auffällig ist, dass es sich um die dominierende Variante in Ostwestfalen-Lippe handelt. Das passt gut dazu, dass diese Variante auch im angrenzenden Niedersachsen und in Schleswig-Holstein üblich ist (siehe AdA, https://www.atlas-alltagssprache.de/runde-7/f09a-b/). Sie ist aber nicht auf dieses Gebiet begrenzt, sondern kommt ebenfalls im Münsterland, im Ruhrgebiet und vereinzelt bis in den Süden des Rheinlands vor. Das Wort kommt vom französischen babouche, das wiederum vom persischen pāpūš ‚Fußbekleidung‘ abstammt.

Eine weitere Bezeichnung für Hausschuhe lautet Schlappen (401 Nennungen). Der Ausdruck bezieht sich auf den lockeren und bequemen Sitz der Schuhe. Auch dieser Begriff ist nahezu im ganzen Bundesland zu finden. Wenig vertreten ist er hingegen im südlichen Rheinland und in einem Gebiet südlich von Münster.

Eher auf den Gang bezieht sich die Variante Schluffen (178 Nennungen). Ausgangspunkt ist vermutlich ein Verb sluffen mit der Bedeutung ‚schleppend gehen, nachlässig sein‘, dessen älteste Belege im späten Mittelniederländischen um 1600 zu finden sind. Der Ausdruck ist eher in der südlichen Hälfte NRWs verbreitet. So finden sich die meisten Belege am nördlichen Niederrhein, im Ruhrgebiet, im Bergischen Land und im südlichen Rheinland.

Eine Alternative ist der Ausdruck Schluppen (174 Nennungen). Dieser kommt vor allem regional begrenzt am südlichen Niederrhein vor, zwischen Krefeld und der Nordeifel. Er ist aber auch in den angrenzenden Regionen, wie dem Bergischen Land und dem zentralen Rheinland, zu finden. Einige Gewährspersonen sprechen das Wort mit einem stimmhaften Plosiv, also Schlubben statt Schluppen, aus. Solche lautlichen Unterschiede sind auf einer zusätzlichen Detailkarte zum Konsonantismus dargestellt.

Überraschenderweise wurde der standardnahe Ausdruck Hausschuhe deutlich seltener genannt (159-mal) als die bisher vorgestellten Varianten. Bei dem Determinativkompositum bestimmt das Erstglied näher, um welche Art von Schuh es sich handelt: ein Schuh, der zu Hause getragen wird. Obwohl selten, kommt der Begriff im gesamten Bundesland vor.

Wenig vertreten ist außerdem der Ausdruck Latschen (26 Nennungen). Diesen findet man hauptsächlich im Ruhrgebiet. Der Begriff gehört zu einem Adjektiv latsch (‚schlaff und nachlässig gehen‘), das wahrscheinlich mit lasch zu tun hat. Ähnlich wie bei Schluffen und Schluppen bezieht es sich also ebenfalls auf den schlurfenden Gang.

Im Ganzen zeigt sich also ein buntes Bild in NRW, wenn es um Hausschuhe geht. Obwohl manche Varianten, wie etwa die Schluppen nur regional begrenzt vorkommen, sind einige andere Varianten annähernd flächendeckend im ganzen Bundesland zu finden. Häufig existieren an einem Ort mehrere Varianten nebeneinander. Und so ist es nicht nur eine persönliche Frage, ob man selbst daheim Hausschuhe trägt, sondern auch, wie man diese nennt.

Literatur:

Georg Cornelissen: dat & wat. Der Sprachatlas für das Land am Rhein zwischen Emmerich und Eifel. Unter Mitarbeit von Esther Weiss und Martina Schaper. Köln 2021.

Peter Honnen: Wo kommt dat her? Herkunftswörterbuch der Umgangssprache an Rhein und Ruhr. Köln 2018.

Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25. Auflage. Berlin/Boston 2011.

Adrian Leemann/Stephan Elspaß/Robert Möller/Timo Grossenbacher: Grüezi, Moin, Servus! Wie wir wo sprechen. Reinbek 2018.

Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/d/wb-etymwb>, abgerufen am 26.03.2026.