In einer zuvor veröffentlichten Sprachkarte wurden sich bereits die
unterschiedlichen Wörter angeschaut, die man in den verschiedenen Regionen in
NRW benutzt, um Hausschuhe zu bezeichnen. In den Daten zeigt sich darüber
hinaus noch ein weiteres spannendes Detail im Hinblick auf die Laute einer
bestimmten Reihe an Wörtern. So finden sich in den Daten aus den Erhebungen die
Formen Schluffen, Schluppen, Schlubben
und Schluwwen. Sie alle sind etymologisch
mit dem ebenfalls in der Region vertretenen Wort Schlappen verwandt und unterscheiden sich voneinander in jeweils nur
einem Laut zwischen den beiden Silben. Was zunächst wie ein kleiner,
unbedeutender Unterschied wirkt, zeigt mit Blick auf die Sprachkarte klare
Tendenzen in bestimmten Bereichen von NRW.
Am breitesten ist die Variante Schluffen
vertreten. Ihre mehrheitliche Verbreitung erstreckt sich vom unteren und
mittleren Niederrhein über das Bergische Land, das Sauerland und den
Rhein-Sieg-Kreis bis in die Eifel. Im Münsterland und in Ostwestfalen sind Schluffen nur noch vereinzelt verbreitet.
Weniger bedeutend in der Gesamtverteilung, aber umso interessanter als
kleinere regionale Eigenart in der Lautung, sind die Formen Schlubben in Aachen, Simmerath und
Monschau sowie die Form Schluwwen, die
in Schleiden und Bergisch Gladbach belegt ist. Die b- und w-Laute
der Varianten teilen sich das phonologische Charakteristikum der
Stimmhaftigkeit, was für die Regiolekte und Dialekte im südlich angrenzenden
Rheinland-Pfalz ganz typisch ist.
Wohl am auffälligsten ist aber der große grüne Fleck auf der Sprachkarte,
der sich aus den Belegen für die Variante Schluppen
ergibt. Die Verteilung der Wortform erstreckt sich über einen überwiegend linksrheinischen
Raum im südwestlichen NRW von Kempen bis Düren und von Heinsberg bis Langenfeld.
Dieses Gebiet scheint den Kernbereich der Variante darzustellen, auch wenn sie
an vereinzelten Orten am Niederrhein, im Münsterland und in Ostwestfalen ebenfalls
vertreten ist.
Lautliche Unterschiede vom Typen Schluffen/Schluppen fallen häufig mit
bestimmten sprachlichen Grenzen zusammen, die man in der Sprachwissenschaft als
Isoglossen bezeichnet. In der Unterscheidung von f- und p-Lauten würde
man in der Regel davon ausgehen, in Brühl, Bergheim und Düren eine ähnliche
Lautung vorzufinden, wie in Bornheim, Bonn und Bad Honnef. Die Karte zeigt für Schluffen und Schluppen aber eine eher ungewöhnliche Verteilung. Womit diese
lautliche Besonderheit im genannten Gebiet zusammenhängt, ist ohne Weiteres
nicht erklärbar. Eher lassen sich bestimmte Vermutungen ausschließen.
Beispielsweise ist eine Motivierung durch Sprachkontakt zum Niederländischen
unwahrscheinlich, da dort für Pantoffeln das Wort slof ebenfalls mit f-Laut existiert.
Der Grund für die Verteilung, die sich aus den Sprachdaten ergibt, bleibt
also zunächst ungeklärt. Was auf manche Nutzer*innen wie ein frustrierend
unzureichendes Ergebnis der Datenauswertung wirken mag, bietet Sprachwissenschaftler*innen
genau das notwendige Material, das sie für ihre Forschung benötigen, um
schließlich die regionale Umgangssprache von NRW in all ihren Facetten und
kleinen Besonderheiten besser zu verstehen. Möglicherweise ergeben sich aus
diesen Beobachtungen völlig neue Erkenntnisse, zu denen man ohne die Teilnahme
aller PALAVA-App-Nutzer*innen nie gekommen wäre. Und so können auch aus
unerwarteten und zunächst noch erklärungsbedürftigen Befunden in Zukunft
vielleicht zentrale Erkenntnisse gezogen werden.
Literatur:
Franz Simmler: Konsonantenschwächung in den deutschen Dialekten. In:
Werner Besch, Ulrich Knoop, Wolfgang Putschke & Herbert Ernst Wiegand
(Hrsg.): Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen
Dialektforschung (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft). Bd.
1.2. De Gruyter, Berlin / New York, 1983. S. 1121–1129.
Georg Cornelissen: dat & wat. Der Sprachatlas für das Land am Rhein
zwischen Emmerich und Eifel. Unter Mitarbeit von Esther Weiss und Martina Schaper.
Köln 2021.
Peter
Honnen: Wo kommt dat her? Herkunftswörterbuch der Umgangssprache an Rhein und
Ruhr. Köln 2018.
„Schlupp VII“, Rheinisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im
Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01-25, https://www.woerterbuchnetz.de/RhWB?lemid=S08263,
abgerufen am 20.04.2026.