Sprachkarten

Die Karten bilden die Antworten pro Ort als Kreisdiagramm ab. Dadurch wird sichtbar, welche Antwort wir an einem Ort am häufigsten erhalten haben und andere Nennungen fallen nicht unter den Tisch. Manchmal beruhen diese Diagramme auf sehr vielen Antworten (v.a. in den städtischen Gebieten) und manchmal auch nur auf sehr wenigen oder nur einer Antwort. Falls dein Ort noch nicht dabei ist oder dein eigener Sprachgebrauch fehlt, beantworte gerne noch einige Fragen!

In einer zuvor veröffentlichten Sprachkarte wurden sich bereits die unterschiedlichen Wörter angeschaut, die man in den verschiedenen Regionen in NRW benutzt, um Hausschuhe zu bezeichnen. In den Daten zeigt sich darüber hinaus noch ein weiteres spannendes Detail im Hinblick auf die Laute einer bestimmten Reihe an Wörtern. So finden sich in den Daten aus den Erhebungen die Formen Schluffen, Schluppen, Schlubben und Schluwwen. Sie alle sind etymologisch mit dem ebenfalls in der Region vertretenen Wort Schlappen verwandt und unterscheiden sich voneinander in jeweils nur einem Laut zwischen den beiden Silben. Was zunächst wie ein kleiner, unbedeutender Unterschied wirkt, zeigt mit Blick auf die Sprachkarte klare Tendenzen in bestimmten Bereichen von NRW.

Am breitesten ist die Variante Schluffen vertreten. Ihre mehrheitliche Verbreitung erstreckt sich vom unteren und mittleren Niederrhein über das Bergische Land, das Sauerland und den Rhein-Sieg-Kreis bis in die Eifel. Im Münsterland und in Ostwestfalen sind Schluffen nur noch vereinzelt verbreitet.

Weniger bedeutend in der Gesamtverteilung, aber umso interessanter als kleinere regionale Eigenart in der Lautung, sind die Formen Schlubben in Aachen, Simmerath und Monschau sowie die Form Schluwwen, die in Schleiden und Bergisch Gladbach belegt ist. Die b- und w-Laute der Varianten teilen sich das phonologische Charakteristikum der Stimmhaftigkeit, was für die Regiolekte und Dialekte im südlich angrenzenden Rheinland-Pfalz ganz typisch ist.

Wohl am auffälligsten ist aber der große grüne Fleck auf der Sprachkarte, der sich aus den Belegen für die Variante Schluppen ergibt. Die Verteilung der Wortform erstreckt sich über einen überwiegend linksrheinischen Raum im südwestlichen NRW von Kempen bis Düren und von Heinsberg bis Langenfeld. Dieses Gebiet scheint den Kernbereich der Variante darzustellen, auch wenn sie an vereinzelten Orten am Niederrhein, im Münsterland und in Ostwestfalen ebenfalls vertreten ist.

Lautliche Unterschiede vom Typen Schluffen/Schluppen fallen häufig mit bestimmten sprachlichen Grenzen zusammen, die man in der Sprachwissenschaft als Isoglossen bezeichnet. In der Unterscheidung von f- und p-Lauten würde man in der Regel davon ausgehen, in Brühl, Bergheim und Düren eine ähnliche Lautung vorzufinden, wie in Bornheim, Bonn und Bad Honnef. Die Karte zeigt für Schluffen und Schluppen aber eine eher ungewöhnliche Verteilung. Womit diese lautliche Besonderheit im genannten Gebiet zusammenhängt, ist ohne Weiteres nicht erklärbar. Eher lassen sich bestimmte Vermutungen ausschließen. Beispielsweise ist eine Motivierung durch Sprachkontakt zum Niederländischen unwahrscheinlich, da dort für Pantoffeln das Wort slof ebenfalls mit f-Laut existiert.

Der Grund für die Verteilung, die sich aus den Sprachdaten ergibt, bleibt also zunächst ungeklärt. Was auf manche Nutzer*innen wie ein frustrierend unzureichendes Ergebnis der Datenauswertung wirken mag, bietet Sprachwissenschaftler*innen genau das notwendige Material, das sie für ihre Forschung benötigen, um schließlich die regionale Umgangssprache von NRW in all ihren Facetten und kleinen Besonderheiten besser zu verstehen. Möglicherweise ergeben sich aus diesen Beobachtungen völlig neue Erkenntnisse, zu denen man ohne die Teilnahme aller PALAVA-App-Nutzer*innen nie gekommen wäre. Und so können auch aus unerwarteten und zunächst noch erklärungsbedürftigen Befunden in Zukunft vielleicht zentrale Erkenntnisse gezogen werden.

Literatur:

Franz Simmler: Konsonantenschwächung in den deutschen Dialekten. In: Werner Besch, Ulrich Knoop, Wolfgang Putschke & Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft). Bd. 1.2. De Gruyter, Berlin / New York, 1983. S. 1121–1129.

Georg Cornelissen: dat & wat. Der Sprachatlas für das Land am Rhein zwischen Emmerich und Eifel. Unter Mitarbeit von Esther Weiss und Martina Schaper. Köln 2021.

Peter Honnen: Wo kommt dat her? Herkunftswörterbuch der Umgangssprache an Rhein und Ruhr. Köln 2018.

„Schlupp VII“, Rheinisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01-25, https://www.woerterbuchnetz.de/RhWB?lemid=S08263, abgerufen am 20.04.2026.