In ganz NRW kennt man Kippe und Fluppe. Kippe ist im Deutschen seit ca. 1920 gebräuchlich und geht auf das Dialektwort kippen ‚die Spitze abschneiden, abhauen‘ zurück. Fluppe wurde aus verschiedenen Dialekten in die Umgangssprache übernommen, in denen es bereits Tabakwaren bezeichnet hat. Ebenfalls weit verbreitet, vor allem jedoch in Westfalen, ist Zichte, eine Abwandlung von Zigarette. Im südlichen Rheinland wird das Wort Zigarette anders verändert, zum Beispiel zu Ziggi, Zirett oder Zarett. Der Rest der genannten Begriffe ist nicht regional beschränkt, sondern wird teilweise von verschiedenen Altersgruppen verwendet.
Glimmstängel, manchmal auch in Varianten wie Glüh- oder Qualmstängel, ist in allen Altersgruppen gebräuchlich. Es ist eine bildhafte Beschreibung von Zigaretten. Sargnagel, eine Anspielung auf die Form der Zigarette und die gesundheitlichen Risiken des Tabakkonsums, ist besonders in den Jahrgängen 1942—1971 verbreitet.
Lungenbrötchen, auch Lungentorpedo, ist der Jugendsprache entlehnter scherzhafter Begriff, der sich in den 90ern etabliert hat. Er wird vereinzelt von jüngeren Sprecher:innen verwendet, aber auch von der Altersgruppe 1962—1971.
Lulle ist etwa seit den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts als Bezeichnung für Zigaretten in Gebrauch. Es ist mit einlullen und weiteren lautmalerischen Wörtern verwandt, die das Saugen eines Kindes nachahmen. Die Gewährspersonen, die Lulle genannt haben, sind zwischen 1942 und 1971 geboren.
Varianten von Pfeife sind zum Beispiel Pief und Schmokepiepe, beides dialektale Formen. Während Pief und Piefje auf ein lautverschobenes -f enden, fehlt die Lautverschiebung in Schmokepiepe vollständig. Pfeife ist ein Lehnwort aus dem früh-romanischen *pīpa ‚Schalmei‘, ein Blasinstrument (ahd. pfīfa, mhd. pfīf(e), altsächsisch pīpa). Da sich die Form von Tabakpfeifen und Schalmeien ähnelt und beides zur Benutzung in den Mund gesteckt wird, hat sich der Name vom Instrument auf die Tabakpfeife übertragen.
Auffällig ist, dass die Altersgruppe 2002—2011 auch Zigarre und Abkürzungen davon als alternative Bezeichnung für Zigarette verwendet. Die eigentliche Zigarre spielt in ihrer Lebensrealität wahrscheinlich keine große Rolle, sodass das Wort eine neue Bedeutung erhält. In ihrer Beliebtheit hat die Zigarette der Zigarre Mitte des 20. Jahrhunderts den Rang abgelaufen. Es verwundert daher nicht, dass junge Menschen keine starken Assoziationen mit Zigarren mehr haben. Das Wort Zigarre ist seit dem 18. Jahrhundert belegt und ein spanisches Lehnwort (cigarro). Die spanische Sprache erreichte es wiederum aus dem Maya, in dem zicar Tabakrauchrollen der indigenen Bevölkerung bezeichnet. Versieht man Zigarre mit der französischen Verkleinerungsendung -ette erhält man Zigarette.
Die Kategorie „Sonstiges“ beinhaltet alle Wörter, die in keine andere Kategorie einsortiert werden konnten. Dazu gehören unter anderem Docht, Hugo, Impel und Pimango. Einige der genannten Begriffe drücken die Ablehnung des Rauchens durch die Sprecher:innen aus, zum Beispiel Stinkerette, Stinkeschnorchel und Kotzbalken.
Literatur:
DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, <https://www.dwds.de/>, abgerufen am 25.10.2024.
Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25. Auflage. Berlin/Boston 2011.
Rheinisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, [URL: https://www.woerterbuchnetz.de/RhWB].
Westfälisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, [URL: https://www.woerterbuchnetz.de/WWB]