Sprachkarten

Die Karten bilden die Antworten pro Ort als Kreisdiagramm ab. Dadurch wird sichtbar, welche Antwort wir an einem Ort am häufigsten erhalten haben und andere Nennungen fallen nicht unter den Tisch. Manchmal beruhen diese Diagramme auf sehr vielen Antworten (v.a. in den städtischen Gebieten) und manchmal auch nur auf sehr wenigen oder nur einer Antwort. Falls dein Ort noch nicht dabei ist oder dein eigener Sprachgebrauch fehlt, beantworte gerne noch einige Fragen!

Keine haarige Angelegenheit war die Beantwortung folgender Frage: Wie nennst du diese „Frisur“? Dazu wurde ein Foto einer Person ohne Haare auf dem Kopf gezeigt. Aber was haben die Menschen aus NRW darauf geantwortet?

 

Bei der Betrachtung der Karte zeigt sich deutlich, dass vor allem zwei Varianten genannt wurden: Glatze und Plääte. Beide kommen flächendeckend im gesamten Bundesland vor. Jedoch macht der Vergleich deutlich, dass im Süden eher die Plääte dominiert, während im Norden die Glatze vorherrschend ist. An vielen Orten sind aber auch beide Varianten üblich. Insgesamt ist die Glatze mit 1866 Nennungen deutlich verbreiteter als die Plääte (744 Nennungen).

 

Das Wort Glatze geht auf althochdeutsch glaz zurück, was so viel wie ‚Hirnschale‘, also ‚von Haut entblößter Schädel‘ bedeutet und ist außerdem mit glatt verwandt. Die Plääte oder auch Plate oder Plätte kommt hingegen aus den rheinischen und westfälischen Dialekten. Das Wort stammt von althochdeutsch platta ab, was neben der Bedeutung ‚Steinplatte‘ auch schon ‚Tonsur, kahlgeschorene Fläche‘ meinte. Es ist von mittellateinisch platta ‚Ebene‘ entlehnt.

 

Darüber hinaus gab es aber auch noch einige andere Antworten. Manche Personen nutzten das Adjektiv kahl oder daraus abgeleitete Komposita, um die Frisur zu beschreiben. Besonders häufig war dabei der Kahlkopf/-kopp. Solche Antworten kamen vor allem aus dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land sowie vereinzelt aus Westfalen. Eine weitere Möglichkeit stellen Komposita mit dem Letztglied -schnitt dar. Hier wurde etwa der Kurzhaarschnitt oder Fassonschnitt genannt. Die Antworten mit diesem Muster sind über das Bundesland verstreut. Auch eine Kombination beider Strategien ist möglich, wie der Kahlschnitt belegt. Beide Komposita-Varianten (Kahl (+ X) und X + Schnitt) wurden aber vergleichsweise selten genannt.

 

Egal ob Glatze, Plääte oder Kahlkopp: „Eine Glatze ist immer noch besser als gar keine Haare“, wie eine Gewährsperson antwortete.

 

 

Literatur:

Peter Honnen: Wo kommt dat her? Herkunftswörterbuch der Umgangssprache an Rhein und Ruhr. Köln 2018.

 

Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25. Auflage. Berlin/Boston 2011.

 

Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/d/wb-etymwb>, abgerufen am 26.03.2026.