Die Teilnehmenden wurden gebeten,
einen Satz zu vervollständigen. Vorgegeben war „Braucht man für den Kuchen viel
Zucker? – Nein, nur …“ Wie zu erwarten, antworteten viele (ein) bisschen in
unterschiedlichen lautlichen Varianten.
Ein bisschen sieht man es dem Wort
schon an: (ein) bisschen ist tatsächlich von ein kleiner Bissen
abgeleitet. Im 17./18. Jahrhundert hat sich der Ausdruck in der Bedeutung ‚ein
wenig‘ verallgemeinert. Heute ist er, je nach Region, mit unterschiedlichen
Diminutivendungen, also Endungen zur Verkleinerung, vertreten.
Da die gängigste Diminutivendung in
NRW das standardsprachliche -chen ist, haben die Lautungen (ein)
bissjen und (ein) bisschen im ganzen Bundesland die größte
Verbreitung. Sie wurden aus allen Altersgruppen und in allen Regionen genannt.
Anders verhält es sich mit (ein)
bissken, das mit einer Ausnahme nur nördlich der Benrather Linie vorkommt.
Die Diminutivendung -ken ist die nicht lautverschobene Variante von -chen,
daher ist diese Verteilung zu erwarten.
Vor allem aus Ostwestfalen-Lippe,
vereinzelt aber auch aus anderen Regionen, werden Formen mit einem sch-Laut,
nämlich (ein) bischen bzw. (ein) büschen gemeldet. Die Rundung
von einem kurzen i, sodass es wie ein ü klingt, ist gerade in Norddeutschland
keine Seltenheit. Dabei kommt es allerdings darauf an, welcher Laut auf den
Vokal folgt. Untersuchungen zeigen, dass dies vor allem vor r und sch
passiert – also auch in bischen.
Die Varianten ohne auslautendes -n
kommen insgesamt viel seltener vor als die mit n am Wortende und sind in
den Geburtsjahrgängen 1942-1971 verbreitet. Das Fehlen des n am Wortende
ist ein dialektales Merkmal, das auch in den Regiolekt übergehen kann. Interessanterweise
besteht hier allerdings keine Trennung zwischen (ein) bissje und (ein)
bisske durch die Benrather Linie. Die meisten Belege für beide Formen
finden sich im Rheinland, mit der Ausnahme von einer Nennung in Witten im
Ruhrgebiet sowie zwei Nennungen im Kreis Siegen-Wittgenstein.
Das Aussprachewörterbuch des
Duden-Verlags nennt als häufige Vereinfachung von bisschen die Variante bissen.
In unserer Erhebung wird sie jedoch kaum genannt und die wenigen Belege sind
unsystematisch verteilt.
Literatur:
Kluge. Etymologisches Wörterbuch
der deutschen Sprache. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Bearbeitet
von Elmar Seebold. Berlin/Boston 2011.
Duden. Das Aussprachewörterbuch. 8.
Auflage. Berlin 2023.
Michael Elmentaler, Peter
Rosenberg: Norddeutscher Sprachatlas (NOSA). Band 1. Regionale Sprachlagen.
Hildesheim/Zürich/New York 2015.